08.07.2026

PR gehört an den Entscheidungstisch

 

Doppelinterview mit der neugewählten und dem scheidenden Präsidenten

Was müsste pr suisse sagen, was sonst niemand sagt?

Alberto: Wie wichtig heute diese Funktion ist! Wir leben im Kommunikationszeitalter. Der Wert einer Organisation ist stark von seiner Reputation abhängig, und für diese sind PR-Profis verantwortlich. PR-Experten:innen sollten vermehrt auch in Verwaltungsräten Einsitz haben.

Tanja: Vertrauen ist das höchste Gut eines Unternehmens. Es entsteht im Zusammenspiel von authentischer Identität, klarer Strategie und wirkungsvoller Kommunikation. Deshalb ist PR eine Managementaufgabe. Und ich stimme Alberto absolut zu: PR-Profis gehören stärker an jene Tische, an denen strategische Entscheide getroffen werden – in Geschäftsleitungen ebenso wie in Verwaltungsräten.

Was der Tessiner vom Zürcher, vice-et-versa, lernen kann. 

Alberto:  Generell sind wohl Deutschschweizer bessere Organisatoren und Planer, gleichzeitig muss man heutzutage auch sehr flexibel und manchmal kreativ sein, weil sich alles schnell ändert, nichts ist mehr beständig. Da können wir Tessiner vielleicht den Zürchern was beibringen.  

Tanja: Da stimme ich Alberto zu. Von den Tessinerinnen und Tessinern können wir sicher lernen, gewisse Dinge gelassener anzugehen. Gerade in einer schnelllebigen Zeit hilft es, flexibel zu bleiben und mit etwas mehr Leichtigkeit auf Veränderungen zu reagieren. 

Tessiner Risotto oder Züri Gschnätzeltes?

Tanja: Ich bin sehr gerne im Tessin und lebe gerne in Zürich. Aber wenn ich wählen kann: lieber Steak & Frites wie in Paris. Das passt mehr zu mir: regional verbunden, aber mit einem weltoffenen Blick über die Landesgrenzen hinaus. 

Alberto: Ich liebe Risotto und wohne im Tessin ... aber Züri Gschnätzeltes gehört zu meinen Lieblingsgerichten, bestelle ich fast immer, wenn ich die Wahl habe. Zudem liebe ich es, wenn meine italienischsprechenden Kinder sich in der Aussprache versuchen, da müssen wir immer viel lachen! 

PR steht auch für?

Alberto: Böse Zungen im Tessin sagen PR stehe für “pranzi e rinfreschi”, also “Mittagessen und Apéro”, weil das Networking in unserem Beruf sehr wichtig ist! Ich finde eine andere Interpretation ist hingegen “Positive Relations”, daran arbeiten wir ja schlussendlich. 

Tanja: Für mich könnte PR auch für «Perspektive und Relevanz» stehen. Gute Kommunikation schafft Orientierung und macht sichtbar, was zählt. Auch in der Deutschschweiz sprach man früher gerne von «Cüpli-PR». Netzwerke bleiben wichtig. Aber Public Relations ist heute weit mehr als das. 

Für welche Nation, nebst der Schweiz, fanst du an der WM (sorry, Italien ist nicht dabei! ;-) 

Tanja: Portugal. Wegen meiner Faszination für Lusitanos, die portugiesischen Pferde. 

Alberto: Tja, da ich Italien nicht nennen kann... Japan, weil sie sich immer so korrekt verhalten.   

Welches Organ ist die PR bei einem Menschen? 

Tanja: Ich würde PR als Herz und Blutkreislauf betrachten: Das Herz gibt den Takt vor, der Blutkreislauf verbindet alles miteinander. Gute Kommunikation sorgt dafür, dass Haltung, Ziele und Botschaften im ganzen Organismus ankommen, verstanden und glaubwürdig weitergetragen werden – nach innen und aussen. 

Alberto: Viele würden wohl den Mund nennen, ich denke für PR-Profis ist aber das Ohr wichtiger. Zuerst zuhören, die Erwartungen der Stakeholder verstehen und erst dann aktiv kommunizieren.  

Warum sollte ein:e (jüngere) Kommunikationsfachfrau/-mann Mitglied bei pr suisse, resp. einer ihrer Regionalgesellschaften werden? 

Alberto: Weil sich ein PR-Profi, meiner Meinung nach, unbedingt auch um sein Netzwerk kümmern muss! Das ist kein Job, den man alleine im stillen Kämmerlein betreibt. Man muss sich mit Kollegen und Kolleginnen austauschen, bei jedem Anlass mit anderen Profis der eigenen Branche lernt man etwas dazu. 

Tanja: Der Verband fördert den fachlichen Austausch, setzt relevante Impulse und ermöglicht ein starkes Netzwerk. Gerade am Anfang einer Laufbahn ist das besonders wertvoll. Denn vieles, was die berufliche Karriere prägt, entsteht durch persönliche Beziehungen. 

Was war dein Traumberuf als Kind / junger Mensch? 

Tanja: Mich haben kreative Berufe wie Schauspielerin oder Künstlerin fasziniert. Ich habe aber schnell realisiert, dass mir die Berufung dafür fehlt. Heute liebe ich an meinem Job, dass er so vielfältig und kreativ ist und vom Austausch mit Menschen lebt. Meine Berufung habe ich somit auf dem Weg gefunden. 

Alberto: Als Kind wollte ich Fussballprofi werden, dann während meines Wirtschaftsstudiums Manager. Mir liegen vor allem HR-Themen am Herzen. Ich finde man sollte in der Regel mit einem Smile zur Arbeit gehen, das scheint mir hingegen immer öfter die Ausnahme zu sein, leider. 

Wenn PR ein Tier wäre, dann ein... 

Alberto: Denke ein Leopard, wie das Symbol des Locarno Film Festivals. Zuerst unbeachtet lauern, sich die ganze Situation genau ansehen, Optionen evaluieren ... und erst dann, im richtigen Moment aktiv werden und die Strategie umsetzen. Das macht meiner Meinung nach einen guten PR-Profi aus.  

Tanja: … eine Löwin: stark, aufmerksam und zugleich Teil eines Rudels. Gute PR braucht Weitblick, Einfühlungsvermögen und Durchsetzungskraft – sie schützt die Reputation, stärkt den Zusammenhalt und lässt die Haltung eines Unternehmens sichtbar werden. 

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