WPRF 2018 – Public Relations is the new marketing

16.05.2018

Wahrheit, Profit, Intelligenz: Das sind die Schlüsselwörter des diesjährigen WPRF - World Public Relation Forums in Oslo, das vom 22. bis 24. April 2018 mehrere hundert Kommunikationsfachleute aus aller Welt zusammenbrachte. 

Welche Rolle spielt Kommunikation in einer digitalen und sich ständig verändernden Welt? Welche Fähigkeiten müssen Kommunikatoren mitbringen? Das WPRF 2018 präsentierte während drei Tagen ein vollbepacktes und spannendes Programm. Das Forum bot Einblicke in die Arbeitsweise anderer Länder, in die Herausforderungen, die sich in unterschiedlichen Kulturkreisen und Gesellschaften stellen. 

Wahrheit: Mit Brexit und Donald Trump haben wir einen Wandel in der politischen Rhetorik erlebt. Umfragen und Statistiken werden verwendet, um die Realität zu erfassen. Die Verbreitung gefälschter Nachrichten wird zu einer Bedrohung für die Demokratie. Wem gehört die Wahrheit? 

Profit: Die Grenzen zwischen den verschiedenen Praktiken schmelzen und neue Technologien verändern unsere Arbeitsweise. Für Kommunikatoren ist es mehr denn je wichtig, sich zu bewähren und ihren Einfluss auf das Unternehmensergebnis zu zeigen. 

Intelligenz: Neue Technologie bietet neue Möglichkeiten. Können Menschen ersetzt werden? Wenn nicht, welche Eigenschaften machen Kommunikatoren einzigartig? Wie müssen wir mit der neuen Technologie zusammenarbeiten, um bessere Kommunikationslösungen zu schaffen? 

Public Relations muss neutral und wertvoll sein 
Im Zentrum vieler Keynotes standen Werte, Ethik und Reputation. Gleich zu Beginn des Forums plädierte Mervin King für die Notwendigkeit, auch radikale Geschäftsideen zu haben. Es sei die zwingende Aufgabe von Kommunikationsverantwortlichen, kritische Fragen zu stellen und sich an Werten zu orientieren. Public Relations müsse immer neutral und wertvoll sein. 

Forschung und Praxis näher zusammenbringen 
Der Wissenschaftstag machte deutlich, dass es immer noch grossen Bedarf gibt, Forschung und Praxis näher zusammenzubringen. Zunächst muss es darum gehen, eine gemeinsame Sprache zu finden, um Anwendbarkeit und Nutzen von Forschungsergebnissen verständlich zu machen. Zudem müssen effektivere Methoden des Wissenstransfers gefunden werden.

Trotz zahlreicher interessanter Einblicke in die Welt der Wissenschaft haben Praxisbeispiele aus aller Welt gezeigt, dass es je nach Land, Kultur und Ressourcen grosse Unterschiede in der Anwendbarkeit der Forschung gibt. Oftmals scheitert eine Umsetzung einfach daran, dass die politischen Rahmenbedingungen oder finanziellen Möglichkeiten dies nicht zulassen. 

Kommunikationsbranche steht bei der Automatisierung am Anfang 
Am WPRF wurde klar, dass wir als Branche etwa in der Automatisierung und überhaupt beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in weiten Teilen immer noch am Anfang stehen und Pioniere das Feld für sich abstecken. Der Ausgang ist völlig offen, die Gefahren ethischer und wirtschaftlicher Natur bedeutend und die Geschwindigkeit atemberaubend. 

Beeindruckend war beispielsweise die Präsentation von vizrd-CTO Petter Ole Jakobsen über die Anwendungsmöglichkeiten von AR und VR. So gross die Potenziale für unsere Branche und speziell für modernes Storytelling sind, so erschreckend sind die Möglichkeiten, die sich z.B. für autoritäre Regime daraus ergeben. Mit dieser technologischen Ambivalenz werden wir leben müssen. 

Die Welt ist besser, als wir glauben 
Dennoch hat uns die Vorstellung von www.gapminder.org noch einmal daran erinnert, dass die Welt besser ist, als wir glauben. Es lohnt sich, die Chancen der Automatisierung z.B. für Zeitgewinn im Arbeitsalltag zu sehen und diese zu ergreifen, um mehr Freiraum für neue Ideen zu gewinnen, für kreative und strategische Arbeit. 

Global Capability Framework 
Global Alliance stellte am WPRF2018 das „Global Capability Framework“ http://hud.ac/ect für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikationsmanagement vor. Das Ergebnis eines zweijährigen Forschungsprojekts der University of Huddersfield (UK) mit Partnern in acht Ländern auf sechs Kontinenten. In dieser Studie wurden Praktiker, Pädagogen und Arbeitgeber in jedem Land befragt, wozu sie die Öffentlichkeitsarbeit für fähig halten und wie sie ihr Potenzial am besten ausschöpfen kann. Das Ergebnis ist durchaus interessant und repräsentiert die Fähigkeiten, die weltweit geteilt werden in den Kategorien Kommunikationsmöglichkeiten, organisatorische und berufliche Fähigkeiten. 

Was bleibt? 
Gezeigt hat sich einmal mehr: Die Kommunikationsbranche befindet sich in einem grossen Wandel und die Anforderungen an PR Führungskräfte haben sich stark verändert. Organisationen werden sich neuen Herausforderungen und Erwartungen stellen müssen. 

Will man den Keynotes glauben, übernehmen 2025 die Millenials die Macht, Asien wird bald mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen und Agenturgründungen sind out. Bei allen Zukunftsprognosen bleibt der Fakt: Die Geschwindigkeit wird immer rasanter. Kommunikatoren müssen sich an die Wahrheit halten, sich bei Inhalten auf Wesentliches konzentrieren und mehr zuhören. Netzwerk, Beziehungen und Werte bekommen (wieder) einen wichtigen Stellenwert. Oder wie es Dan Tisch formulierte: «content is king, but relationships are royality». 

«Public Relations is the new marketing» 
Tatsächlich geht es darum, guten und glaubhaften Content „smart“ zu nutzen, um langfristig stabile und vertrauensvolle Beziehungen zu schaffen – nach aussen und innen. Unsere Branche hat also durchaus Zukunft. 

Auf Wiedersehen, bis zum nächsten World Public Relations Forum 2020 in Auckland, Neuseeland!
Brigitte Heinrich, Delegierte pr suisse www.prsuisse.ch / CEO nettwerk 

Mit freundlicher Mitwirkung von: Silvia Rizzi, Delegierte FERPi, Inhaberin iSHARE
Andreas Plöger, Historiker und Berater bei ¨Birke und Partner

WPRF 2018 
An der zehnten Ausgabe des WPRF 2018 in Oslo nahmen rund 500 Delegierte aus 44 Ländern teil. Organisiert wurde das Forum von der Norwegian Communication Association (NCA) zusammen mit der Global Alliance, dem weltweiten Dachverband der Branche. Dazu gehört auch der Schweizerische Public Relations Verband pr suisse www.prsuisse.ch, der von Brigitte Heinrich, Mitglied im Zentralvorstand, vertreten wurde. 

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